Höhenflug & Empathie

Ich sitze während des Schreibens dieser Zeilen an der Promenade des Hafens von El Arenal. Es ist noch früh und daher sehr ruhig. Die Sonne geht auf, der Wind streift mir ums Gesicht und ich genieße noch kurz den Ausblick auf die um mich stehenden Palmen und das Meer, bevor ich mich meinen Gedanken & Erlebnissen des letzten Tages widme: Unserem Hinflug nach Mallorca.



Ich habe gestern im Flugzeug, auf dem Hinflug in den Urlaub, eine sehr kraftvolle Situation gehabt.

Kurz zur Vorgeschichte: In unserem Flieger saßen einige sich Selbst und anderen respektlose und angetrunkene Menschen. Es handelte sich um mehrere Gruppen, die sich gegenseitig anfeuerten, hochgeschaukelten und fast den ganzen Flug Ärger machten. Eskaliert ist das ganze, als sich einer aus dieser Gruppe mit dem Bordpersonal angelegte und sehr ausfallend geworden war. Im Nachhinein wartete am Zielflughafen die Polizei auf diesen Mann. Ich habe mir ab einem bestimmten Zeitpunkt Kopfhörer in die Ohren gepackt und Musik gehört, da ich das ganze Ausmaß, die Wortwahl und die Energie nicht noch mehr in mein System lassen wollte. Aber all das ist nicht der Kern des Erlebnisses..


Die eigentliche Geschichte spielte sich hinter mir ab. Nach einer Stunde Verspätung und knapp zweieinhalb Stunden Flug ging es auf die Landung zu. Der Flieger wackelte schon sehr (und das sage ich, die normalerweise bei leichten Turbulenzen die Arme in die Luft schmeißt wie auf einer Achterbahn (bildlich gesprochen)). Hinter uns hörten meine Mama (mit der ich in Urlaub flog) und ich ein Schluchzen. Es saß ein Junge von ungefähr 12 Jahren hinter uns und weinte. Seine Oma*, die neben ihm saß stand auf und deutete wiederholt sehr bestimmt auf ihren Sohn, der mittlerweile zwei Reihen vor uns saß. Mittlerweile, weil dieser Sohn - ein Berg von Mann, der mit jedem im Flugzeug Best Buddy sein wollte (speziell mit den Boys und Girls der besagten Gruppe), gefühlt alle fünf Minuten im Gang stand und regelmäßig zwischen den freien Plätzen im Flieger wechselte und sich dadurch nicht gerade beliebt gemacht hatte. Sie signalisierte ihrem Sohn, dass er sich doch bitte endlich mal neben seinen Sohn setzen sollte. Besagter Vater stand widerwillig auf und setzte sich neben seinen weinenden Sohn. Sichtlich überfordert mit der Situation „Gehts Dir nicht gut?“ „Hast du mich denn nicht lieb?“ „Was ist los bei Dir?“ saß er nun da. In dieser Situation nahmen wir das schluchzen hinter uns wahr. Meine Mama und ich schauten uns an. Ich hatte das Bedürfnis den kleinen Mann am liebsten in den Arm zu nehmen. Meine Mama kramte ein Taschentuch aus ihrer Tasche und reichte es durch die Sitze nach hinten.

Dies war mein letzter Anstoß den ich gebraucht hatte..



DU MUSST KEINE (BESTIMMTE) AUSBILDUNG HABEN, UM EIN GUTER MENSCHEN ZU SEIN.

Ich schnallte mich ab, kniete mich auf meinen Sitz, beugte mich nach hinten und sagte zu dem Jungen hinter mir: „Hey, wir sind gleich da. Es ist alles gut. Das ist ein bisschen wie Achterbahn fahren. Bist du schon mal Achterbahn gefahren?“ Er schüttelte den Kopf. „Da ist das auch so, dass da ganz doll im Bauch kribbelt, wenn man runter fährt. Das kann ein bisschen Angst machen, aber das ist überhaupt nicht schlimm.“ Er schaute das erste Mal hoch in meine Augen. Meine Mama sagte „Schau mal, draußen die Häuser werden auch immer Größer, wir sind gleich da.“ Zwischendurch schaute mich der Junge immer wieder kurz an. Schaute mir in die Augen. Ich schenkte ihm mein Lächeln. Ich kam aus meiner „Bubble“ oder meinem "Tunnel" ein bisschen heraus, nahm das Flugzeug, die Menschen und die Situation um mich herum langsam wieder wahr. Ich hatte noch einen letzten Impuls, den ich teilen wollte. Für den Jungen, aber auch für den Vater neben ihm, den ich nun auch wieder wahrnahm: „Es ist auch überhaupt nicht schlimm zu weinen. Das ist gut! Ich weine auch ganz oft! Und das ist etwas ganz starkes was du gerade tust. Du machst das super!“ Er schaute mich noch einmal an. Wir landeten. Ich hielt ihm meine Hand hin und wir gaben uns ein High-Five.

Ich setzte mich zurück auf meinen Sitz. Ein paar Minuten später tippte mich jemand durch die Sitze an. Sein Vater schaute mich an. „Danke“. Ein ganz aufrichtiges "Danke" kam aus ihm heraus. "Sehr gerne." Sagte ich zu ihm und schenkte ihm ein ruhiges lächeln. Wenige Minuten später tippte er mich erneut an. Er schaute mich mit großen, fragenden Augen an: „Wie machst Du das?“ Ich schaute fragend zurück. „Wie hast du das gemacht?“ Ich überlegte und antwortete liebevoll und eher fragend „Empathie“. Er verstand nicht ganz. „Bist du Erzieherin oder so? Wie kannst Du das?“ Ich antwortete wieder sehr aufrichtig und liebevoll: „Nein, ich bin keine Erzieherin.“ „Hast du selbst Kinder?“ „Nein, noch nicht.“ Ich schenkte ihm noch einmal mein Lächeln und drehte mich nach vorne. Ich spürte, wie es in ihm arbeite.. Er redete ein bisschen mit seinem Sohn. „Du bist ein Mann..“ hörte ich als Satzfetzen heraus. Traurigkeit breitete sich in mir aus. Aber ich nahm auch etwas anderes wahr. Irgendwie klang ein anderer Ton in seiner Stimme mit. Der Ton von Verständnis?

Von Liebe? Empathie?

Unser Flugzeug kam zum stehen. Wir standen auf. Nahmen unser Handgepäck. Ich hörte noch ein paar mal „Danke“. Und bekam einen Handshake von dem Vater. Bevor ich ausstieg winkte ich dem Jungen zu und schenkte ihm noch einmal mein Lächeln..


MEIN FAZIT

Ich hoffe dass einige der respektlosen Menschen aus dem Flieger mein Handeln mitbekommen haben. Gespürt haben. Etwas mitgenommen haben.


Doch auf der anderen Seite kann es mir auch egal sein, denn was zählt ist, dass der junge etwas mitgenommen hast. Dass ich die Welt dieses Jungen in diesem Moment erreicht habe. Sie angenehmer gemacht habe. Verständnis entgegengebracht und ihn gehalten habe. Und die Welt seines Vaters. Der sich wohl für sein Leben auch etwas mehr gewünscht hätte.

Mehr Verständnis. Aufmerksamkeit. Bewusstsein.

Liebe.

Empathie.

Was ich Dir mit diesem Artikel mitgeben möchte:


👉🏽 Man muss kein:e Erzieher:in sein, keinen bestimmten Schulabschluss oder eine (bestimmte) Ausbildung haben um ein guter Mensch zu sein. Man muss keine eigenen Kinder haben, um liebevoll und emphatisch mit Kindern und anderen Menschen umzugehen.


All diese Dinge sagen nichts über Dich, Deinen Charakter, Deine Empathie und

Deine Liebe aus.


👉🏽 Hör auf Dein Gefühl! Deine Intuition. Lass sie L(i)eben. Walten.

Ich habe mich während des Landeanflugs abgeschnallt. Erst wieder drüber nachgedacht, als ich mich in meinen Sitz hab sinken lassen. Ich habe mich in eine Familie eingemischt. Hätte auch nach hinten losgehen können. Doch ich war im vollsten Vertrauen. Ich habe mich auf mein Gefühl verlassen, was es gerade braucht und mir war in diesem Moment scheiß egal, wer was gedacht hat. Wie oben geschrieben, war ich in einem Tunnel / einer Bubble, habe alles andere ausgeblendet (die Menschen, die Umgebung und Geräusche des Flugzeugs, den Vater des Jungen) und mich auf das konzentriert, was gerade wichtig ist: Das Wohlergehen des Kindes.


👉🏽 All das was ich von der Situation im Flugzeug mitbekommen habe, hat der kleine Mann hinter mir auch mitbekommen und wahrgenommen. Kinder sind hochsensible Seelen und saugen so etwas auf. Wir alle - jeder von uns - ist eine hochsensible Seele. Doch das vergessen wir gerne. Ich habe knapp 5 Minuten nach der eskalierenden Situation meine Kopfhörer rein getan und Musik gehört, weil ich solche Energien bzw. die Worte von manchen Menschen nicht in meinem System haben möchte.


Entzieh Dich solchen Situationen bewusst. Du musst solche Situationen nicht mitbekommen. Wenn Du in der Bahn oder im Bus bist: Steig aus und nimm die nächste. Wenn Du mit Deiner Familie zu Hause solche Situationen hast: Kommuniziere und nimm Dir eine Auszeit - geh z.B. raus in die Natur.


Was ich sagen möchte: Dein Wohlbefinden steht über allem.

Wichtig dabei: Kommuniziere respektvoll mit den Menschen in Deinem Umfeld darüber, was Du gerade wahrnimmst / brauchst / in Deinen Augen ein guter Ansatz fürs weitermachen / weiterkommen wäre.




🔜 Zum letzten Punkt, folgt bald ein neuer Artikel, mit einem weiteren Thema. Denn als ich in den Tagen nach diesem Flug mit jemanden über meine Erlebnisse sprach und sagte, dass es mir gut getan hat mich der Situation zu entziehen und die Energien meinen System nicht zuzumuten, folgte der Satz: "Das ist schön, wenn du das kannst. Ich kann das nicht." ..


Ich hoffe ich konnte Dich mit diesem Artikel zum nachdenken & fühlen bringen, Dich inspirieren und motivieren und Dir wertvolle Impulse & Tipps mitgeben.


Für mehr Inspiration folge mir gerne auf Instagram und schau Dir meine Kunst HIER an.



Vielen Dank für Deine Zeit.

Fühl Dich umarmt! ♡








*das sind die Beziehungen dieser Menschen zueinander, wie ich sie wahrgenommen habe.



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